Die kurze Antwort
Ein Abkürzungsverzeichnis listet alle fachspezifischen Abkürzungen einer wissenschaftlichen Arbeit alphabetisch auf, links die Abkürzung, rechts die ausgeschriebene Form. Allgemein übliche Abkürzungen wie „z. B.“ oder „usw.“ gehören in der Regel nicht hinein. Es steht meist nach Inhalts-, Abbildungs- und Tabellenverzeichnis. Verbindlich sind die Formvorgaben deines Lehrstuhls.
Das Wichtigste in Kürze
- Inhalt: Fachabkürzungen, Institutionen, Gesetze und selbst gebildete Kürzel – keine Alltagsabkürzungen aus dem Duden.
- Aufbau: Zwei Spalten, Abkürzung links, Langform rechts, alphabetisch sortiert.
- Im Text: Jede Abkürzung beim ersten Vorkommen ausschreiben und die Abkürzung in Klammern dahinter setzen.
- Word: Eine rahmenlose Tabelle mit Sortierfunktion ist für die meisten Arbeiten der robusteste Weg.
- Abgleich: Vor der Abgabe prüfen, ob jede Abkürzung im Verzeichnis auch im Text vorkommt – und umgekehrt.
Was ist ein Abkürzungsverzeichnis?
Ein Abkürzungsverzeichnis ist eine alphabetische Liste der Abkürzungen, die in einer Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Hausarbeit verwendet werden, jeweils mit ihrer ausgeschriebenen Bedeutung. Es hilft Lesenden, die ein Kürzel nicht kennen oder die Stelle der ersten Erwähnung überblättert haben. Prüfende nutzen es außerdem als Hinweis darauf, wie sorgfältig die Arbeit formal gearbeitet ist.
Vom Abkürzungsverzeichnis zu unterscheiden sind zwei verwandte Verzeichnisse:
- Symbolverzeichnis: listet Formelzeichen und mathematische Symbole, etwa in wirtschafts- oder ingenieurwissenschaftlichen Arbeiten. Formelzeichen gehören meist dorthin, nicht ins Abkürzungsverzeichnis.
- Glossar: erklärt Fachbegriffe inhaltlich, statt nur Kurzformen aufzulösen. Ein Glossar ist in den meisten Formvorgaben optional.
Das Abkürzungsverzeichnis gehört wie Deckblatt, Inhalts- und Abbildungsverzeichnis zu den formalen Teilen der Arbeit. Wie die übrigen Verzeichnisse aufgebaut sind, beschreibt der Ratgeber zum Abbildungsverzeichnis; einen Überblick über alle formalen Bestandteile gibt der Beitrag zu Formalia in der wissenschaftlichen Arbeit.
Welche Abkürzungen gehören ins Abkürzungsverzeichnis?
Ins Abkürzungsverzeichnis gehören Abkürzungen, die eine fachfremde Person nicht ohne Weiteres versteht. Allgemein übliche Abkürzungen, die im Duden stehen und im Alltag verwendet werden, lässt du in der Regel weg. Die folgende Entscheidungstabelle ordnet typische Fälle ein. Sie gibt verbreitete Praxis wieder, keine verbindliche Regel – wenn dein Lehrstuhl etwas anderes vorgibt, gilt das Merkblatt.
| Art der Abkürzung | Beispiele | Ins Verzeichnis? |
|---|---|---|
| Allgemein übliche Abkürzungen | z. B., usw., bzw., ca., d. h. | In der Regel nein |
| Zitier- und Literaturabkürzungen | vgl., ebd., Hrsg., S., f., ff. | Meist nein, einige Vorgaben verlangen sie |
| Maßeinheiten und Währungen | kg, km, %, EUR | Meist nein |
| Formelzeichen und Variablen | α, n, σ | Nein, gehören ins Symbolverzeichnis |
| Fachabkürzungen deines Fachs | KMU, CSR, ROI | Ja |
| Institutionen und Organisationen | BMBF, OECD, WHO | Ja |
| Gesetze und Verordnungen | BGB, DSGVO, SGB V | In der Regel ja; in Jura oft nach eigener Vorgabe des Fachbereichs |
| Selbst gebildete Kürzel | Abkürzungen für Interviewpartner oder Untersuchungsgruppen | Ja, immer |
| Abkürzungen nur in Tabellen oder Abbildungen | Spaltenköpfe, Achsenbeschriftungen | Ja, oder zusätzlich in einer Legende auflösen |
Bei Grenzfällen hilft eine einfache Prüffrage: Würde eine Kommilitonin aus einem anderen Studiengang das Kürzel ohne Nachschlagen verstehen? Wenn nicht, gehört es ins Verzeichnis. Englische Fachabkürzungen wie CSR löst du mit der englischen Langform auf; eine deutsche Übersetzung in Klammern ist möglich, wenn sie das Verständnis erleichtert.
In einigen Ratgebern kursieren Faustregeln wie eine Mindestzahl an Abkürzungen, ab der ein Verzeichnis nötig wird. Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht. Maßgeblich ist das Merkblatt deines Lehrstuhls oder die Absprache mit deinem Betreuer.
Wie führst du Abkürzungen im Text richtig ein?
Eine Abkürzung wird im Fließtext beim ersten Vorkommen ausgeschrieben, die Kurzform folgt in Klammern. Ab dann verwendest du nur noch die Abkürzung. Das Abkürzungsverzeichnis ersetzt diese Einführung im Text nicht, sondern ergänzt sie.
Beispiel (Formulierung frei gewählt):
- Erste Erwähnung: Die Befragung richtete sich an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Raum Leipzig.
- Weitere Erwähnungen: Für KMU ergeben sich daraus drei Handlungsfelder.
Damit Text und Verzeichnis zusammenpassen, helfen drei Grundsätze:
- Einheitlichkeit: Eine Abkürzung, eine Schreibweise. Wechselst du zwischen „EU“ und „Europäische Union“, wirkt der Text unentschlossen.
- Sparsamkeit: Kürze nur Begriffe ab, die mehrfach vorkommen. Ein Kürzel, das nur einmal auftaucht, spart keinen Platz und zwingt Lesende zum Nachschlagen.
- Satzanfang und Überschriften: Viele Formvorgaben empfehlen, Sätze nicht mit einer Abkürzung zu beginnen und in Überschriften keine neuen Kürzel einzuführen. Prüfe, ob dein Merkblatt dazu etwas sagt.
Zur Schreibweise nach Duden: Abkürzungen, die als Buchstaben gesprochen werden, schreibst du ohne Punkt (EU, BIP). Abkürzungen, die als volles Wort gelesen werden, bekommen einen Punkt, bei mehrteiligen Abkürzungen mit Leerzeichen dazwischen (z. B., d. h.). Wie du einen einheitlichen wissenschaftlichen Stil aufbaust, zeigt der Ratgeber Wissenschaftlich schreiben lernen.
Wie sortierst du ein Abkürzungsverzeichnis richtig?
Ein Abkürzungsverzeichnis wird alphabetisch nach der Abkürzung sortiert, nicht nach der Langform und nicht nach der Reihenfolge im Text. Für die Fälle, in denen das Alphabet allein nicht weiterhilft, haben sich folgende Konventionen bewährt. Sie sind Empfehlungen; wo dein Lehrstuhl eine andere Ordnung vorgibt, folgst du ihr.
- Buchstabe für Buchstabe: Sortiere nach dem ersten, dann dem zweiten Buchstaben usw. „BGB“ steht vor „BIP“, weil G vor I kommt.
- Groß- und Kleinschreibung: Die Schreibweise ändert die Position nicht. Ein Kürzel wie „etc.“ und eines wie „EU“ werden nach denselben Buchstabenregeln eingeordnet, egal ob groß oder klein geschrieben.
- Umlaute: Behandle Ä, Ö, Ü wie A, O, U, so wie es Word beim Sortieren standardmäßig tut. Wichtig ist, dass du eine Regel durchhältst.
- Ziffern und Zusätze: „SGB II“ steht vor „SGB V“, wenn du nach der Zahl ordnest. Setze Bücher eines Gesetzes in aufsteigender Reihenfolge untereinander.
- Punkte und Leerzeichen: Ordne nach den Buchstaben, nicht nach Satzzeichen. Da Programme Sonderzeichen unterschiedlich behandeln können, kontrolliere die Liste nach dem automatischen Sortieren mit bloßem Auge.
- Keine Gruppen nach Kategorien: Trenne Institutionen, Gesetze und Fachbegriffe nicht in eigene Blöcke, solange die Vorgabe das nicht verlangt. Lesende suchen nach dem Buchstaben, nicht nach der Kategorie.
In der rechten Spalte schreibst du die Langform so, wie sie im Text eingeführt wird, mit gleicher Groß- und Kleinschreibung. Endet die Langform ohne Punkt, setzt du auch im Verzeichnis keinen.
Wie erstellst du ein Abkürzungsverzeichnis in Word?
Für die meisten Arbeiten ist eine zweispaltige Tabelle ohne sichtbare Rahmen der zuverlässigste Weg, ein Abkürzungsverzeichnis in Word anzulegen. Anders als beim Abbildungsverzeichnis gibt es in Word keine eigene Schaltfläche, die Abkürzungen automatisch sammelt. Die Menübezeichnungen beziehen sich auf aktuelle Word-Versionen für Windows; auf dem Mac sind die Befehle ähnlich angeordnet.
- Liste führen: Notiere während des Schreibens jede neue Abkürzung mit Langform in einer separaten Datei. So musst du am Ende nicht den ganzen Text durchsuchen.
- Seite anlegen: Füge nach dem letzten vorangehenden Verzeichnis einen Seitenumbruch ein und setze die Überschrift „Abkürzungsverzeichnis“ in der Formatvorlage, die deine Vorgabe für Verzeichnisse vorsieht.
- Tabelle einfügen: Wähle „Einfügen“, dann „Tabelle“ und lege zwei Spalten an. Die linke Spalte reicht mit etwa einem Viertel der Breite für die Abkürzung.
- Einträge übertragen: Kopiere deine Liste in die Tabelle, pro Zeile eine Abkürzung.
- Sortieren: Markiere die Tabelle, wähle in der Registerkarte „Layout“ der Tabellentools den Befehl „Sortieren“ und sortiere nach Spalte 1, aufsteigend.
- Rahmen entfernen: Wähle unter „Tabellenentwurf“ bei „Rahmen“ die Option „Kein Rahmen“. Die Langformen stehen dann bündig untereinander, ohne dass du mit Tabstopps arbeiten musst.
- Abgleichen: Suche mit der Suchfunktion (Strg + F) jede Abkürzung aus dem Verzeichnis im Text. Kürzel ohne Treffer streichst du.
Alternativ kannst du Abkürzungen im Text über „Referenzen“ und „Eintrag festlegen“ als Indexeinträge markieren und daraus mit „Index einfügen“ eine Liste erzeugen. Das lohnt sich eher bei sehr vielen Abkürzungen, weil jeder Eintrag einzeln markiert werden muss und die Langform im Eintrag hinterlegt werden muss. Wie du das Inhaltsverzeichnis automatisch aufbaust, zeigt der Ratgeber Inhaltsverzeichnis in Word erstellen.
Wo steht das Abkürzungsverzeichnis in der Arbeit?
Das Abkürzungsverzeichnis steht in vielen Arbeiten nach Inhalts-, Abbildungs- und Tabellenverzeichnis und vor der Einleitung. Diese Reihenfolge ist verbreitet, aber nicht einheitlich: Manche Hochschulen setzen das Abkürzungsverzeichnis direkt hinter das Inhaltsverzeichnis, andere stellen die Verzeichnisse ans Ende der Arbeit. Eine Übersicht der üblichen Reihenfolge aller Verzeichnisse findest du im Ratgeber zum Abbildungsverzeichnis.
Für Umfang und Seitenzählung gilt als häufige Praxis:
- Seitenzahl: Das Verzeichnis bekommt wie die übrigen Seiten vor der Einleitung meist eine römische Ziffer.
- Textumfang: Es zählt in der Regel nicht zur vorgegebenen Seitenzahl, die meist nur Einleitung bis Fazit umfasst.
- Inhaltsverzeichnis: Ob das Abkürzungsverzeichnis dort aufgeführt wird, regelt die Formvorgabe.
In einer Bachelorarbeit mit empirischem Teil kommen oft viele Kürzel zusammen, etwa für Interviewpartner, Skalen oder Untersuchungsgruppen. Hier lohnt es sich, das Verzeichnis von Beginn an mitzuführen statt es in der letzten Woche zu rekonstruieren. Welche Teile in den Seitenumfang zählen, erklärt der Beitrag Wie viele Seiten hat eine Bachelorarbeit?
Welche Fehler passieren im Abkürzungsverzeichnis häufig?
Die meisten Fehler im Abkürzungsverzeichnis entstehen, weil Text und Verzeichnis zu unterschiedlichen Zeitpunkten bearbeitet werden. Die folgende Tabelle zeigt typische Fehler mit der passenden Korrektur.
| Fehler | Beispiel | Korrektur |
|---|---|---|
| Alltagsabkürzungen im Verzeichnis | „z. B. – zum Beispiel“ als Eintrag | Streichen, sofern die Vorgabe sie nicht verlangt |
| Abkürzung im Verzeichnis, aber nicht im Text | Kürzel aus einem gestrichenen Kapitel | Jede Abkürzung per Suchfunktion im Text prüfen |
| Abkürzung im Text, aber nicht im Verzeichnis | Kürzel nur in einer Tabelle verwendet | Auch Tabellen, Abbildungen und Fußnoten durchsuchen |
| Keine Einführung im Text | Kürzel erscheint ohne vorherige Langform | Beim ersten Vorkommen ausschreiben, Abkürzung in Klammern |
| Uneinheitliche Schreibweise | mal „DSGVO“, mal „DS-GVO“ | Eine Variante festlegen und im gesamten Text ersetzen |
| Langform weicht vom Text ab | Im Verzeichnis anders formuliert als bei der Einführung | Langform wortgleich übernehmen |
| Nicht alphabetisch | Einträge in der Reihenfolge des Auftretens | Tabelle in Word nach Spalte 1 sortieren |
| Formelzeichen gemischt mit Abkürzungen | „σ – Standardabweichung“ zwischen Fachkürzeln | In ein eigenes Symbolverzeichnis auslagern |
Solche Unstimmigkeiten fallen beim eigenen Lesen kaum noch auf, weil man die Kürzel selbst längst im Kopf hat. Beim Korrekturlesen gleichen wir Abkürzungen im Text mit dem Verzeichnis ab und markieren uneinheitliche Schreibweisen. Eine vollständige Liste der Punkte vor der Abgabe findest du in der Checkliste zur Abgabe der Bachelorarbeit.
Häufige Fragen
Ab wie vielen Abkürzungen brauche ich ein Abkürzungsverzeichnis?
Eine allgemeingültige Mindestzahl gibt es nicht. Manche Hochschulen verlangen das Verzeichnis, sobald die Arbeit überhaupt Fachabkürzungen enthält, andere überlassen es dir. Verwendest du nur allgemein übliche Abkürzungen wie „z. B.“ oder „usw.“, ist in der Regel kein Verzeichnis nötig. Im Zweifel klärt das Merkblatt deines Lehrstuhls oder eine kurze Nachfrage beim Betreuer die Frage.
Gehören „vgl.“ und „ebd.“ ins Abkürzungsverzeichnis?
Meist nicht. Zitierabkürzungen wie „vgl.“, „ebd.“, „Hrsg.“ oder „f.“ gelten in wissenschaftlichen Arbeiten als bekannt und werden in vielen Formvorgaben ausdrücklich ausgenommen. Einige Lehrstühle wünschen sie dennoch im Verzeichnis. Entscheidend ist, dass du eine Linie konsequent durchhältst und dich an dein Merkblatt hältst.
Muss ich Abkürzungen trotz Verzeichnis im Text ausschreiben?
Ja. Das Abkürzungsverzeichnis ersetzt die Einführung im Text nicht. Beim ersten Vorkommen schreibst du den Begriff aus und setzt die Abkürzung in Klammern dahinter. Danach verwendest du nur noch die Kurzform. So verstehen Lesende den Text, ohne ständig zum Verzeichnis blättern zu müssen.
Wie gehe ich mit englischen Abkürzungen um?
Englische Fachabkürzungen wie CSR oder ROI nimmst du mit ihrer englischen Langform ins Verzeichnis auf, weil die Abkürzung aus dieser Langform gebildet ist. Wenn es das Verständnis erleichtert, kannst du eine deutsche Übersetzung in Klammern ergänzen. Im Text führst du die Abkürzung wie jede andere beim ersten Vorkommen ein.
Kann ich Abkürzungsverzeichnis und Symbolverzeichnis zusammenlegen?
Das hängt von der Vorgabe ab. Viele Formvorgaben trennen Abkürzungen und Formelzeichen, weil Symbole eigene Konventionen haben, etwa griechische Buchstaben oder Einheiten. Bei nur wenigen Symbolen erlauben manche Lehrstühle ein gemeinsames Verzeichnis mit zwei Abschnitten. Sagt dein Merkblatt nichts dazu, ist die getrennte Variante die übersichtlichere.
Fazit
Ein Abkürzungsverzeichnis listet die Fachabkürzungen deiner Arbeit alphabetisch mit ihrer Langform auf; allgemein übliche Abkürzungen wie „z. B.“ bleiben in der Regel draußen. In Word legst du es am einfachsten als rahmenlose Tabelle an und sortierst sie nach der ersten Spalte. Gleiche vor der Abgabe jede Abkürzung mit dem Text ab. Verbindlich sind die Formvorgaben deines Lehrstuhls; die Hinweise in diesem Beitrag dienen der Orientierung.


