Die kurze Antwort
Ein Literaturverzeichnis erstellst du, indem du jede im Text zitierte Quelle mit Autor, Jahr, Titel und Verlag bzw. Fundstelle erfasst, alphabetisch nach dem Nachnamen des ersten Autors sortierst und einheitlich im vorgegebenen Zitierstil formatierst, meist mit hängendem Einzug. Am zuverlässigsten gelingt das mit einer Literaturverwaltung, die du ab der ersten Quelle nutzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Nur zitierte Quellen: Was im Text nicht belegt ist, gehört in APA 7 und den meisten Stilen nicht ins Verzeichnis.
- Alphabetisch sortieren: nach dem Nachnamen des ersten Autors, bei gleichem Autor nach Jahr aufsteigend.
- Fehlende Angaben kennzeichnen: mit festen Kürzeln wie „o. J.“ oder „o. O.“ statt Lücken.
- Früh anfangen: Jede Quelle beim Lesen erfassen, nicht erst in der Abgabewoche.
- Vorgaben prüfen: Zitierstil und Formatierung legt das Merkblatt deines Lehrstuhls fest.
Was gehört ins Literaturverzeichnis – und was nicht?
Ins Literaturverzeichnis gehört jede Quelle, die du in deiner Arbeit zitiert oder sinngemäß wiedergegeben hast – und in den meisten Zitierstilen nur diese. APA 7 nennt die Liste ausdrücklich „References“: Was im Text nicht belegt ist, taucht dort nicht auf. Bücher, die du gelesen, aber nicht verwendet hast, bleiben draußen.
Davon zu unterscheiden ist die Bibliografie im engeren Sinn. Sie listet alles, was du für ein Thema herangezogen hast, auch ohne Zitat. In Hausarbeiten und Abschlussarbeiten ist sie selten gefragt. Maßgeblich ist die Prüfungsordnung bzw. das Merkblatt deines Lehrstuhls.
In manchen Fächern, etwa in der Geschichtswissenschaft, teilst du zusätzlich in ein Quellenverzeichnis (Primärquellen wie Urkunden, Briefe, Gesetzestexte) und ein Literaturverzeichnis (Forschungsliteratur). In der Rechtswissenschaft stehen Gesetze und Urteile häufig gar nicht im Literaturverzeichnis, sondern werden nur im Text bzw. in der Fußnote nachgewiesen. Ob du solche Trennungen brauchst, steht im Merkblatt deines Instituts.
Nicht ins Literaturverzeichnis gehören in der Regel:
- Persönliche Gespräche und E-Mails – APA 7 belegt sie nur im Text, weil Leser sie nicht nachprüfen können.
- Eigene Interviews und Transkripte – sie landen im Anhang, nicht in der Literaturliste.
- Abbildungsnachweise ohne Textbezug – dafür gibt es je nach Vorgabe ein eigenes Abbildungsverzeichnis.
Wie erstellst du ein Literaturverzeichnis Schritt für Schritt?
Ein Literaturverzeichnis erstellst du am zuverlässigsten, wenn du es ab der ersten Quelle mitführst und nicht erst in der letzten Woche zusammensuchst. Wer am Ende rekonstruieren muss, aus welcher Auflage eine Seitenzahl stammt, verliert Stunden. Dieser Ablauf funktioniert für jeden Zitierstil:
- Zitierstil klären. Frag vor dem Schreiben nach, ob dein Lehrstuhl APA 7, Harvard, deutsche Zitierweise oder eine Hausvariante verlangt. Die Vorgabe steht meist im Merkblatt zur Anfertigung schriftlicher Arbeiten.
- Literaturverwaltung einrichten. Programme wie Zotero oder Citavi speichern bibliografische Angaben und erzeugen daraus das Verzeichnis. Lege das Projekt an, bevor du die erste Quelle liest.
- Jede Quelle sofort erfassen. Autor, Jahr, Titel, Auflage, Verlag, Ort, Seitenbereich, DOI oder URL. Bei Kapiteln aus Sammelbänden zusätzlich Herausgeber und Buchtitel.
- Importierte Daten prüfen. Automatische Imports aus Katalogen oder über DOI sind oft fehlerhaft: vertauschte Vornamen, fehlende Auflage, Titel komplett in Großbuchstaben.
- Beim Schreiben über die Software zitieren. Das Word-Plugin fügt den Beleg ein und ergänzt den Eintrag im Verzeichnis automatisch.
- Verzeichnis am Ende abgleichen. Jeder Beleg im Text braucht einen Eintrag, jeder Eintrag einen Beleg im Text.
Den letzten Schritt kann dir keine Software abnehmen. Mehr zur Quellensuche selbst findest du im Ratgeber Literaturrecherche effizient meistern. Wenn dir für ein Kapitel noch belastbare Fachliteratur fehlt, stellen wir bei der Literaturrecherche passende Quellen mit vollständigen bibliografischen Angaben zusammen.
Wie sieht ein Eintrag in APA 7, Harvard und deutscher Zitierweise aus?
Ein Eintrag im Literaturverzeichnis enthält in allen drei gängigen Stilen dieselben Grundangaben – Autor, Jahr, Titel, Verlag bzw. Zeitschrift –, unterscheidet sich aber in Reihenfolge und Zeichensetzung. Die folgenden Beispiele beziehen sich auf eine erfundene Musterquelle.
APA 7
Buch: Muster, A. (2024). Titel des Buches: Untertitel (2. Aufl.). Musterverlag.
Zeitschriftenartikel: Muster, A., & Beispiel, B. (2023). Titel des Artikels. Zeitschrift für Musterforschung, 12(3), 45–67. https://doi.org/10.0000/muster (Musterquelle, DOI fiktiv)
Typisch für APA 7: Vornamen nur als Initialen, Jahr in Klammern direkt nach dem Autor, kein Verlagsort mehr, DOI als vollständiger Link.
Harvard
Muster, A. (2024) Titel des Buches: Untertitel. 2. Aufl. Musterstadt: Musterverlag.
Für Harvard gibt es kein einheitliches Regelwerk. Hochschulen und Verlage pflegen eigene Varianten, die sich bei Klammern, Punkten und Ortsangabe unterscheiden. Das Beispiel zeigt eine verbreitete Form.
Deutsche Zitierweise
Muster, Anna: Titel des Buches. Untertitel, 2. Aufl., Musterstadt 2024.
Bei der deutschen Zitierweise stehen die Belege im Text als Fußnoten, das Literaturverzeichnis enthält die vollständigen Angaben, oft mit ausgeschriebenem Vornamen. Auch hier weichen Lehrstühle im Detail voneinander ab.
Wie die Belege im Fließtext aussehen, erklärt der Ratgeber Richtig zitieren nach APA, Harvard und Chicago.
Wie sortierst du das Literaturverzeichnis richtig?
Das Literaturverzeichnis wird in APA 7, Harvard und der deutschen Zitierweise alphabetisch nach dem Nachnamen des ersten Autors sortiert. Eine Nummerierung oder eine Gliederung nach Quellentyp (Bücher, Artikel, Internetquellen) ist in diesen Stilen nicht vorgesehen, auch wenn sie in älteren Merkblättern noch auftaucht. Schwierig wird es bei den Sonderfällen:
- Gleicher Autor, mehrere Werke: nach Jahr aufsteigend, das älteste Werk zuerst.
- Gleicher Autor, gleiches Jahr: Kleinbuchstaben ans Jahr hängen (2024a, 2024b) und nach Titel sortieren. Die Buchstaben müssen auch im Text-Beleg stehen.
- Allein vor gemeinsam: In APA 7 steht ein Werk, das Muster allein verfasst hat, vor einem Werk von Muster und Beispiel.
- Organisation als Autor: Einsortieren nach dem ersten bedeutsamen Wort des ausgeschriebenen Namens, etwa „Statistisches Bundesamt“ unter S.
- Kein Autor: In APA 7 rückt der Titel an die Stelle des Autors und wird nach seinem ersten Wort einsortiert; bestimmte und unbestimmte Artikel am Anfang zählen dabei nicht.
- Namenszusätze: Bei „von“, „van“ oder „de“ gibt es keine einheitliche Regel. Entscheide dich einmal und bleib dabei.
Literaturverwaltungsprogramme sortieren automatisch, scheitern aber gern an Organisationsnamen und Namenszusätzen. Diese Einträge solltest du vor der Abgabe von Hand prüfen.
Was tun, wenn Autor, Jahr oder Ort fehlen?
Fehlende Angaben sind beim Literaturverzeichnis ein häufiger Stolperstein – vor allem bei Internetquellen, Broschüren und grauer Literatur. Jeder Stil hat dafür eine eigene Lösung. Die Tabelle fasst die gängigen Varianten zusammen; im Zweifel gilt das Merkblatt deines Lehrstuhls.
| Fehlende Angabe | APA 7 | Deutsche Zitierweise (verbreitete Form) |
|---|---|---|
| Autor (Person) | Organisation als Autor; gibt es keine, rückt der Titel an die Autorposition | „o. V.“ (ohne Verfasser) oder Herausgeber bzw. Institution |
| Erscheinungsjahr | „n.d.“ im Original; in deutschsprachigen Arbeiten häufig „o. J.“ | „o. J.“ (ohne Jahr) |
| Erscheinungsort | entfällt – APA 7 nennt keinen Verlagsort | „o. O.“ (ohne Ort) |
| DOI | URL angeben, wenn online verfügbar; bei gedruckten Quellen ohne DOI nichts | URL mit Abrufdatum, wenn online genutzt |
| Abrufdatum bei Webseiten | nur bei Inhalten, die sich laufend ändern (z. B. Datenbankseiten, Wikis) | meist immer, Format nach Merkblatt |
| Seitenzahlen (Webseite) | im Verzeichnis nicht nötig | im Verzeichnis nicht nötig |
Bevor du „o. V.“ oder „o. J.“ einträgst, lohnt ein zweiter Blick: Das Impressum einer Webseite nennt oft die verantwortliche Organisation, die Dateieigenschaften eines PDFs manchmal das Erstelldatum. Eine Quelle mit mehreren fehlenden Angaben ist außerdem ein Hinweis, ihre wissenschaftliche Eignung zu hinterfragen.
Wie formatierst du das Literaturverzeichnis in Word?
Das Literaturverzeichnis steht nach dem Schlussteil und vor dem Anhang, beginnt auf einer neuen Seite und erhält eine eigene Überschrift, die im Inhaltsverzeichnis erscheint. Für das Aussehen der Einträge gelten in den meisten Stilen drei Grundregeln:
- Hängender Einzug: Die erste Zeile eines Eintrags beginnt am linken Rand, alle folgenden Zeilen sind eingerückt. APA 7 nennt 0,5 Zoll, also rund 1,27 cm.
- Zeilenabstand: APA 7 sieht doppelten Zeilenabstand vor. Viele deutsche Hochschulen verlangen stattdessen den Abstand des Fließtexts oder einfachen Abstand im Verzeichnis.
- Kursivschrift: In APA 7 steht der Titel eigenständiger Werke kursiv, bei Zeitschriftenartikeln der Name der Zeitschrift und die Bandnummer.
So stellst du den hängenden Einzug in Word ein:
- Einträge markieren.
- Rechtsklick, dann „Absatz“ wählen.
- Unter „Einzug“ bei „Sondereinzug“ die Option „Hängend“ auswählen und 1,27 cm eintragen.
- Mit „OK“ bestätigen.
Am saubersten ist eine eigene Formatvorlage „Literaturverzeichnis“, dann bleiben alle Einträge einheitlich, auch wenn du später Quellen ergänzt. Die Überschrift des Verzeichnisses formatierst du wie eine Kapitelüberschrift, damit sie automatisch im Inhaltsverzeichnis erscheint.
Welche Fehler im Literaturverzeichnis fallen Prüfern auf?
Die meisten Fehler im Literaturverzeichnis sind keine Wissenslücken, sondern Inkonsistenzen, die beim Zusammenführen vieler Einträge entstehen. Prüfer sehen sie, weil ein Verzeichnis auf wenigen Seiten viele gleich gebaute Zeilen enthält. Die typischen Fehler und ihre Korrektur:
- Beleg ohne Eintrag: Im Text steht (Muster, 2023), im Verzeichnis fehlt das Werk. Korrektur: Text mit der Suchfunktion nach Jahreszahlen durchgehen und jeden Treffer abhaken.
- Abweichende Jahreszahl: Im Text 2022, im Verzeichnis 2023, weil eine andere Auflage erfasst wurde. Korrektur: auf die tatsächlich genutzte Auflage vereinheitlichen.
- Gemischte Stile: Einige Einträge mit ausgeschriebenem Vornamen, andere mit Initialen. Korrektur: alle Einträge aus derselben Stildatei der Literaturverwaltung erzeugen.
- Uneinheitliche Titel: Ein Titel in Großbuchstaben aus dem Katalogimport. Korrektur: im Programm korrigieren, nicht nur im Word-Dokument, sonst kehrt der Fehler beim Aktualisieren zurück.
- Tote Links: URLs, die nicht mehr erreichbar sind. Korrektur: vor der Abgabe stichprobenartig anklicken und, wo vorhanden, die DOI verwenden.
Ein Abgleich mit frischem Blick deckt solche Brüche schneller auf als die eigene fünfte Durchsicht. Beim Lektorat prüfen wir Belege und Verzeichnis gegeneinander und markieren Abweichungen vom geforderten Stil. Weitere Prüfpunkte sammelt die Checkliste zum richtigen Zitieren.
Häufige Fragen
Wie viele Quellen braucht ein Literaturverzeichnis?
Eine feste Mindestzahl gibt es nicht. Entscheidend ist, ob deine Quellen die Aussagen tragen und den aktuellen Forschungsstand abbilden. Einige Lehrstühle geben Mindestzahlen im Merkblatt an. Maßgeblich ist die Prüfungsordnung bzw. das Merkblatt deines Lehrstuhls; im Zweifel fragst du deine Betreuerin oder deinen Betreuer direkt.
Zählt das Literaturverzeichnis zur Seitenzahl der Arbeit?
In den meisten Vorgaben zählt das Literaturverzeichnis nicht zum geforderten Textumfang. Wenn eine Hausarbeit 15 Seiten haben soll, sind damit in der Regel Einleitung, Hauptteil und Schluss gemeint, ohne Deckblatt, Verzeichnisse und Anhang. Die Seiten des Verzeichnisses werden trotzdem fortlaufend nummeriert. Da Hochschulen das unterschiedlich regeln, prüfe die Angaben zum Umfang im Merkblatt deines Instituts.
Muss ich Internetquellen getrennt aufführen?
Nach APA 7 und in den meisten Harvard-Varianten nicht. Internetquellen werden zusammen mit Büchern und Artikeln alphabetisch einsortiert. Eine Trennung nach Quellentyp verlangen nur manche Lehrstühle, vor allem in älteren Merkblättern. Dort findest du dann Abschnitte wie Monografien, Zeitschriftenartikel und Internetquellen. Wenn dein Merkblatt dazu nichts sagt, bleibst du bei einer einzigen alphabetischen Liste.
Kann ich das Literaturverzeichnis automatisch in Word erstellen?
Ja. Word hat unter „Referenzen“ eine eigene Quellenverwaltung, die APA und weitere Stile anbietet. Für größere Arbeiten ist sie aber umständlich, und die hinterlegten Stile entsprechen nicht immer der aktuellen Auflage. Zuverlässiger sind Literaturverwaltungsprogramme wie Zotero oder Citavi mit Word-Plugin. Auch dann gilt: Prüfe jeden Eintrag, bevor du die Arbeit abgibst, denn die Software übernimmt fehlerhafte Importdaten ungefragt.
Gehören Gesetze und Gerichtsurteile ins Literaturverzeichnis?
Das hängt vom Fach ab. In der Rechtswissenschaft werden Gesetze und Urteile üblicherweise nicht ins Literaturverzeichnis aufgenommen, sondern in der Fußnote nachgewiesen. In anderen Fächern, etwa in der Wirtschafts- oder Sozialwissenschaft, führen manche Lehrstühle sie in einem eigenen Rechtsquellenverzeichnis. Maßgeblich ist die Prüfungsordnung bzw. das Merkblatt deines Lehrstuhls.
Fazit
Ein Literaturverzeichnis enthält alle Quellen, die du im Text belegt hast, alphabetisch nach Nachnamen sortiert und durchgehend in einem Zitierstil formatiert. Der größte Hebel ist der Zeitpunkt: Wer jede Quelle ab dem ersten Tag in einer Literaturverwaltung erfasst, spart am Ende die Rekonstruktion von Auflagen und Seitenzahlen. Für Sonderfälle wie fehlende Jahre oder Autoren gibt es feste Kürzel. Vor der Abgabe gleichst du Text und Verzeichnis Eintrag für Eintrag ab. Welcher Stil und welche Formatierung gelten, entscheidet das Merkblatt deines Lehrstuhls.


